Zwangsstörung

In unserer Klinik können Patienten mit Zwängen ab dem 18. Lebensjahr behandelt werden. Eine Zwangsstörung ist durch Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen gekennzeichnet, bei etwa 80 % der betroffenen Patienten sogar in einer Kombination von beiden. Zwangsgedanken äußern sich typischerweise in immer wiederkehrenden Gedanken, Ideen, Impulsen oder Bildern. Trotz des persönlichen Widerstandes drängen sie sich dem Patienten auf und gehen mit Ängsten und/oder hoher Anspannung einher. Die Patienten erkennen sie als Produkt des eigenen Denkens, auch wenn sie die Gedanken als unfreiwillig und nicht zur eigenen Person bewerten. Zwangshandlungen äußern sich bevorzugt im häufigen Waschen aus Furcht vor Verschmutzung oder der Ansteckung von Krankheiten. Auch das Sammeln, Ordnen, Zählen, zwanghaftes Kaufen oder die permanente Kontrolle aus Angst vor selbstverursachten Katastrophen sind typische Krankheitsbilder. In den Augen der Patienten vermeiden bzw. verringern die Zwangshandlungen die innere Anspannung. Zwangsstörungen werden auf der Grundlage eines komplexen Bedingungsmodells und unter Einschluss organischer Bedingungen weitgehend als erlerntes Problemverhalten betrachtet. Der Schwerpunkt der Behandlung liegt neben einer individuellen abzuklärenden medikamentösen Mitbehandlung in einer Gruppentherapie, die auf möglichst weitgehende Symptomreduktion durch entsprechende Übungsprogramme zur Gegengewöhnung einerseits und durch Bewusstmachung von personenspezifischen Auslösern andererseits abzielt.
Information zum gruppentherapeutischen Behandlungskonzept bei Zwangsstörungen
Vorbedingungen
Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung jeder Zwangsstörung ist das Einverständnis des Patienten mit einem wesentlichen und charakteristischen Behandlungsbaustein – der sogenannten Reizkonfrontation („Flooding“). Für zwei Wochen setzt sich der Patient den Bedingungen aus, vor denen er sich normalerweise fürchtet und auf die er mit seinen typischen Zwängen reagiert. Nach einer Eingewöhnungsphase in die Klinik werden die mit den Zwängen verbundenen Ängste bewusst auf einen Höchstwert gesteigert. Der Patient lernt dabei, dass er die befürchteten Situationen unbeschadet übersteht und die Ängste “von selbst“ zurückgehen Eine weitere Notwendigkeit für die Aufnahme ist die Sicherung der ambulanten Nachsorge: Nach Ende der stationären Behandlung ist erfahrungsgemäß und in eigenen zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt, therapeutische Hilfe unverzichtbar, um das Gelernte zu vertiefen und den Behandlungserfolg zu stabilisieren. Wegen der fast überall üblichen langen Wartezeiten der ambulanten Behandler muss ein Nachsorgeplatz bereits vor Antritt der stationären Behandlung gesichert sein.
Therapeutisches Setting
Die Therapiedauer beträgt durchschnittlich ca.
8 Wochen, wobei je nach Schweregrad Abweichungen natürlich
möglich sind.
Die Therapie konzentriert sich auf drei Schwerpunkte:
- Exploration sowie Beziehungsaufbau
- Reizkonfrontation
- Defizit-Ausgleich
Üblicherweise werden parallel 2 Gruppen mit insgesamt 18 Behandlungsplätzen durchgeführt. Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf diesen täglich stattfindenden Gruppentherapien.. Ergänzt wird die Therapie durch Einzeltherapie-Sitzungen.
Grundzüge des multimodalen Therapiedesigns
Im Gegensatz zu andernorts häufig festgelegten Therapieprogrammen wird bei uns in einem ersten Behandlungsabschnitt eine individuelle Verhaltensanalyse durchgeführt, um neben den Zwangsverhaltensweisen problematische emotionale Inhalte zu erkennen. Häufig sind diese Inhalte schwer zu beobachten und schwer zugänglich. Spezielle Therapiebausteine wie z.B. „Familienskulpturen“ helfen bei der Analyse. Nachdem im ersten Schritt die bedingungsanalytischen Zusammenhänge geklärt und der Patient seine Wahrnehmungsfähigkeit ausreichend verbessert hat, beginnt als zweiter Behandlungsabschnitt die Reizkonfrontation. Die Übungen beschränken sich nicht nur auf die Klinik selbst. Im Einzelfall werden sie auch auf das Zuhause des Patienten ausgeweitet, um die Effektivität und den Wissenstransfer auszudehnen. In einem weiteren Behandlungsschwerpunkt werden für die persönlichen Defizite, die eine Zwangssymptomatik mit bedingen, individuelle kompensatorische Trainingsmaßnahmen durchgeführt. Dies können z.B. Wahrnehmungstraining, körperlich aktivierende oder körperpsychotherapeutische Therapiebausteine sein.