Essstörung

In unserer Klinik können Patienten mit Bulimie/Anorexie ab dem 16. Lebensjahr behandelt werden.
Essstörungen sind psychische Störungen, die sich vorwiegend in Form eines auffälligen Essverhaltens zeigen. Hierbei werden zentrale physiologische und psychologische Regulationsmechanismen des „normalen“ Essverhaltens außer Kraft gesetzt. Von einer Essstörung spricht man bei folgenden Auffälligkeiten des Essverhaltens und den daraus resultierenden psychischen, körperlichen und sozialen Folgen:
Eine Anorexia nervosa (Magersucht) hat als Leitsymptom ein Gewicht, das einen Body-Mass-Index von 17,5 unterschreitet, der sich folgendermaßen errechnet:
BMI = Körpergewicht : (Körpergröße in m)2. Die Einheit des BMI ist demnach kg/m2. Der Normalbereich bewegt sich zwischen BMI 19 und 25.
Weitere Merkmale sind die Angst vor Gewichtszunahme trotz Untergewichtes, das gezielte Meiden kohlehydrat- und fettreicher Nahrungsmittel, eine verzerrte Körperwahrnehmung, die Abhängigkeit des Selbstwertgefühls von einem möglichst niedrigen Gewicht, Amenorrhoe (Fehlen oder Ausbleiben der menstruellen Blutung) bzw. ein Libido- und Potenzverlust bei Männern.
Eine Bulimia nervosa (sogenannte Ess-Brech-Sucht) ist durch wiederholt auftretende Heißhunger- und Fressattacken gekennzeichnet. Vorherrschend ist das Fehlen jeglicher Steuerungsmöglichkeiten in Bezug auf Menge und Nahrungszusammensetzung. 80-90% der Betroffenen versuchen durch gezieltes und später automatisiertes Erbrechen die drohende Gewichtszunahme zu verhindern. Unter diesem Gesichtspunkt sind auch die missbräuchliche Einnahme von Abführmitteln, Diuretika, Appetitzüglern oder Psychostimulanzien und übermäßige sportliche Aktivitäten zu sehen. Diese Formen von Missbrauch und gesteigerter körperlicher Aktivität sind auch bei anorektischen Essstörungen zu finden.
Gruppentherapeutisches Behandlungskonzept
Zur Behandlung der anorektischen und bulimischen Essstörung wurde in der Klinik ein Therapiekonzept erarbeitet, das sich einerseits mit verhaltenstherapeutischen Rahmenbedingungen auf die Unterbrechung des gestörten Essverhaltens konzentriert, andererseits mit einem multimodalen Therapieansatz an den störungsauslösenden und -aufrechterhaltenden Faktoren arbeitet. Unser Ziel ist es, dass unsere Patienten sich weitgehend normal ernähren, Selbstverantwortung in ihrem eigenen Leben übernehmen und ihre Lebensfreude wiederfinden. Das Erkennen lebensgeschichtlicher und emotionaler Zusammenhänge der Erkrankung soll deren Bewältigung erleichtern und Rückfälle verhindern. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Emotionswahrnehmung und dem Umgang mit belastenden Emotionen.
Therapiedauer
Die Therapiedauer beträgt mindestens 8 Wochen. Bei Patienten mit Anorexia nervosa ist die Dauer von der erforderlichen Gewichtszunahme abhängig. In Einzelfällen können Therapiepausen mit nachfolgender Wiederaufnahme in Absprache mit dem therapeutischen Team vereinbart werden.
Mahlzeiten:
Die Einnahme der Mahlzeiten erfolgt im Rahmen der Therapiegruppe im Restaurant bzw. in der Lehrküche. Zu Behandlungsbeginn werden 3 normokalorische Mahlzeiten pro Tag verzehrt. Abführmittel und wassertreibende Mittel werden zu Behandlungsbeginn abgesetzt.
Gewichtszunahme:
Für untergewichtige Patienten wird ein sogenanntes Zielgewicht, entsprechend einem Body-Mass-Index von 19 (Grenze zwischen Unter- und Normalgewicht) errechnet. Eine wöchentliche Gewichtszunahme von 700 g ist als Ziel vorgesehen. Bei nochmaliger Unterschreitung der vereinbarten Gewichtszunahme ist eine Therapiepause mit Möglichkeit der Wiederaufnahme bei entsprechender Therapiemotivation möglich.
Angehörigengespräche:
Nach Möglichkeit sollten im zweiten Therapieabschnitt Gespräche mit der Familie und/oder dem Partner der Patientinnen stattfinden.